Andacht
Liebe Gemeinde,
neulich bekam ich ein Video geschickt. Eine Herde Schweine ruhte genüsslich auf der Erde und ließ alle viere grade sein. Als Kommentar war zu lesen: „Es ist schön jemand zu treffen, der die gleichen Interessen hat wie ich.“ Ist das gemeint wenn wir den Monatsspruch für September lesen?
„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Prediger 4,6)
Auch wenn ich jetzt manche Hoffnung enttäusche: Ausruhen wie Sau ist nicht das Anliegen dieses Verses. Unmittelbar davor steht nämlich: „Wer seine Hände in den Schoß legt, ist dumm und fällt vom Fleisch.“ (Vers 5/BasisBibel) Ja was denn nun? Arbeiten ist doof, ausruhen auch? Die berühmte goldene Mittefinden wir, wenn wir ein paar Details anschauen.
Es geht nicht darum nichts zu tun. Das Ziel ist weniger zu machen und gerade darin einen Mehrwert zu finden. Außerdem liegt auf diesem Weg die Zusage inneren Friedens. Diese Aussage des ersten Halbsatzes wird deutlicher, wenn der zweite Teil als Gegenstück gelesen wird. Die Hände sind nicht offen, sondern zur Faust verkrampft. Was darin ist, wurde nur mit Mühe erreicht. Und es bleibt nicht. Der vermeintliche Arbeitserfolg war nur ein Windhauch. Innere Ruhe und die Freude angesichts eigener Leistungen sehen wirklich anders aus. Die Hoffnung auf Ergebnisse war hoch (zwei Fäuste statt einer Hand), aber geblieben ist am Ende nichts – außer Unruhe und Erschöpfung.
Es geht also darum, das Wesentliche zu tun und darin Erfüllung und Frieden zu finden. Der Drang nach mehr, die immer wieder neue Mühe trotz ausbleibendem Mehrwert dienen dem nicht.
Aber wie unterscheiden wir das eine vom anderen? Was Glaube, Liebe und Hoffnung fördert darf Vorrang haben. Einen einsamen Menschen anrufen, klärende Gespräche führen, zuhören wenn jemand trauert – all das ist wichtiger als Antragsformulare, Abwaschberge oder Gartenhecken. Sich morgens Gott anvertrauen und dann off en sein für die Wendungen des Tages ist gesünder und lehrreicher als verkrampft es Festhalten an vermeintlich unumstößlichen ToDo – Listen. Die Freude am Blick Gott es („ein Gott der mich sieht“, 1. Mose 16,13) wirkt nachhaltiger als die flüchtige Orientierung daran, was denn wohl die anderen denken. Die Sorgen des Alltages werde ich los, wenn ich abgebe was in Gott es Hand gehört bzw. wenn ich mir nicht mehr Verantwortung gebe als mir zusteht („anvertraute Talente“, Lukas 19).
Wer weiß – vielleicht bleibt dadurch am Ende sogar Zeit um mal faul wie Sau zu sein? Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Herbst!
Arndt Kretzschmann, Prädikant
